Die Saison im Keukenhof beginnt: Tulpenmeer im “Dutch Design”

Acht Wochen lang stellt der Keukenhof seine Pflanzungen ganz unter das Motto des diesjährigen niederländischen Themenjahres „Von Mondrian bis Dutch Design“. Den Höhepunkt bildet ein aus 80.000 verschiedenfarbigen Tulpen, Krokussen und Traubenhyazinthen zusam­mengesetztes, 250 Quadrat­meter großes Blumenmosaik. Die beein­druckende Pflanzung geht auf ein Bild von Piet Mondrian mit den für ihn typischen rechtwinkligen Farbflächen in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau zurück. Die Blumenzwiebeln sind in zwei Lagen – in der für den Keukenhof ganz eigenen „Lasagne-Technik – gepflanzt, damit das Mosaik während der gesamten Öffnungszeit des Parks in üppiger Blüte steht. Flankiert wird das Mondrian-Bild von einem überdimensionalen Stuhl des Architekten und Möbeldesigners Gerrit Rietveld.

Namhafte Künstler wie Gerrit Rietveld, Theo van Does­burg und eben Mondrian waren es, die mit der De-Stijl-Gruppe den Grundstein für das niederländische Design gelegt haben. Und bis heute sind niederländische Gestalter Branchen­führer in den Bereichen Archi­tektur, Mode-, Grafik- und Produktdesign. Auch die Blumen­aus­stellungen im Oranje-Nassau-Pavillon und zwei der Inspi­ra­tionsgärten widmen sich dem Thema Dutch Design.

Der Keukenhof verwandelt sich wieder in ein riesiges Tulpenmeer.

Der Keukenhof bietet nicht nur einen schönen Rahmen für rund sieben Millionen Frühjahrsblüher, sondern auch für zahlreiche Skulp­turen und andere Kunstobjekte. Diese verleihen dem Park noch einmal eine ganz neue Dimension. Ausgewählte Künstler bekommen jedes Jahr im Frühjahr Gelegenheit, ein oder mehrere Werke aus ihrer Sammlung im Keukenhof zu zeigen. Die Wechselwirkung zwischen dem in Blüte stehenden Park und den Bildenden Künsten überrascht die Besucher immer wieder aufs Neue.

Tulpen in allen Farbfacetten

Rund 100 zwischen den Beeten verteilte Skulpturen gehören zum festen Inventar des Keukenhofs, darunter Werke wie Jan Wolkers „Ode an Rembrandt“ aus dem Jahr 2005. In diesem Frühjahr ist eines der Highlights im Park die aus der Sammlung des Kröller-Müller Museums (bei Otterlo) stammende „Sculpture 7“ (1997–2001) von R. W. van de Wint. Das monumentale Kunstwerk hat einen Sonderplatz bekommen: Es dominiert ein eigens dafür präpariertes, drei Hektar großes Gelände.

Über hundert Kunstwerke in den Tulpenfeldern

Ein weiterer Höhepunkt ist der neue, großzügige Eingangsbereich, den Keukenhof-Direktor Bart Siemerink der Öffentlichkeit am 21. März vorstellte, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung des Parks. An seiner Seite Francine Houben, Kreativdirektorin des Delfter Architektenbüros Mecanoo, das für den Entwurf des transparenten, eleganten Tor­gebäudes verant­wort­lich zeichnet. „Das Gebäude ist ein Eyecatcher“, so Siemerink, „und unsere Antwort auf die beständig anwachsenden Besucher­ströme.“ Immerhin besuchen den schönsten Frühlingspark der Welt jährlich rund eine Million Gäste aus gut 100 Ländern, darunter zahlreiche deutsche Gartenliebhaber.

Insgesamt blühen in diesem Jahr über 80.000 Tulpen

Die Verwendung von Naturmaterialien – Holz, Kupfer, Backstein – verleiht dem Gebäude einen besonderen Charakter, ohne jedoch allzu sehr von der Umgebung abzulenken. Das großzügige Entree verfügt über alle für Besucher wichtigen Einrichtungen wie Infoschalter, Kassen, Toiletten, Schließfächer, Res­tau­rant und Souvenirshops – alles einfach und benutzerfreundlich im Erdgeschoss zugänglich. Lichtkuppeln setzen im Restaurantbereich überraschende Akzente. Auch die Verkehrssituation rund um den Keukenhof wird sich ab diesem Frühjahr entspannen: Der Parkplatz verfügt über eine Kapazität von 4500 Pkws und 1000 Reisebussen. Da verwundert es kaum, dass Siemerink stolz von „einem historischen Jahr für den Keukenhof“ spricht.

Der Keukenhof ist in diesem Jahr vom 23. März bis zum 21. Mai täglich von 8 bis 19.30 Uhr geöffnet

www.keukenhof.nl/de

Mit Rolf Zang in die Traben-Trarbacher Unterwelt

Mystisches Halbdunkel in einem Netz aus unterirdischen, historischen, teilweise mehrstöckigen und über 100 Meter langen Gewölben: Heute lädt die Traben-Trarbacher Unterwelt mit über 30 Kellern zur spannenden Entdeckung der Geschichte des historischen Weinbaus und der alten Kellertechnik sowie zum Weinprobieren und kulinarischen Genuss in historischen Gemäuern ein.

In der Traben-Trarbacher Unterwelt gibt es über 30 ehemalige Weinkeller. © (3) Holger Bernert

„Es lagern in den Kellereien der Traben-Trarbacher Weinhändler über 15000 Fuder Wein. Mit Bahn und Schiff wurden 1899 rund 18.000 Fuder versandt.“ Diese Zeilen sind aus dem Führer durch Traben-Trarbach von 1902 zu entnehmen, als es in der Doppelstadt aufgrund der großen Nachfrage an Riesling-Weinen noch über 100 Weingüter und Weinkellereien gab. Da Traben-Trarbach somit gleich nach der großen französischen Weinstadt Bordeaux der zweitgrößte Weinumschlagplatz Europas war, wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kapazitäten der Traben-Trarbacher Weinkeller wie in keiner zweiten Moselgemeinde vergrößert und große Flächen des Stadtkerns unterkellert.

Rolf Zang und seine Kollegen führen durch die geheimnisvolle Unterwelt.

Die erlebnisreichen Führungen durch die Traben-Trarbacher Unterwelt bieten nun Gelegenheit, einige diese Keller zu besichtigen und Wissenswertes über Kellereiwirtschaft und Weinhandel aus der damaligen und heutigen Zeit zu erfahren.

Einige dieser Keller stehen inzwischen auch für Feierlichkeiten, Konzerte o. ä. zur Verfügung. Dazu gehört auch der alljährliche vom 1. Advent bis Anfang Januar stattfindende „Mosel-Wein-Nachts-Markt“ – der Weihnachtsmarkt in der Traben-Trarbacher Unterwelt.

Einige der Gewölbekeller sind bis zu 100 Meter lang und vier Stockwerke hoch.

Rolf Zang und seine Kollegen stehen ab Ostern bis Ende Juli immer freitags um 18 Uhr für einen Spaziergang in die Traben-Trarbacher Unterwelt zur Verfügung. Die Teilnahmekosten belaufen sich inklusive einem Glas Wein auf acht Euro pro Teilnehmer. Bei der Tour durch “Vinotropolis” werden jeweils drei verschiedene Weinkeller gezeigt.

Direkt über den Weinkellern stehen das Jugendstilhotel Bellevue und das Hotel “Moselschlösschen”. Entsprechende Übernachtungsarrangements mit Unterweltführungen können direkt hier gebucht werden.

www.bellevue-hotel.de

Husum-Besucher erleben ihr lila Wunder

Ein Hauch Italien liegt in der Luft, wenn mehr als vier Millionen Krokusse alljährlich den Husumer Schlosspark in ein wogendes Meer von lila Blüten verwandeln. Es ist ein untrügliches Anzeichen für den Frühling, wenn die Pflänzchen rund um das einzige Schloss an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins den winterlichen Schlossgarten mit lila Farbtupfern sprenkeln, die sich mehr und mehr ausdehnen.

Wie diese eigentlich in der Toskana beheimateten violetten Frühlingsblüher ihren Weg nach Nordfriesland fanden, ist bis heute nicht sicher geklärt. Erwähnt wird das Phänomen der Krokusblüte aber schon Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Gedicht und in einer Novelle von Husums Dichter-Sohn Theodor Storm, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt.

Husum trägt in diesem Frühling wieder lila.                                                                            © (2) TSMH

Das außergewöhnliche Blumenspektakel bildet den Rahmen für ein buntes Frühlingsfest im historisch-maritimen Ambiente Husums. Höhepunkt des Krokusblütenfestes – dieses Jahr am 18. und 19. März – ist die Proklamation der Husumer Krokusblütenkönigin am Samstag. Am verkaufsoffenen Sonntag lädt die Innenstadt dann zum Einkaufsvergnügen zwischen Krokusmeer und Nordseebrise. Ein buntes Rahmenprogramm mit kostenfreien Stadtführungen, einem Kunsthandwerker- und einem Pflanzenmarkt sowie einer kulinarischen Meile sorgt für zusätzliche Unterhaltung.

Am 18. März findet die Proklamation der neuen Krokusblütenkönigin statt.

„Krokuszauber an der Nordsee“ heißt die Urlaubs-Pauschale speziell zur Krokusblüte, buchbar im März und April. Während des dreitägigen Aufenthaltes in Husum erwartet den Gast ein Drei-Gänge-Menü in typisch nordfriesischer Atmosphäre, ein Husumer Einkaufsgutschein, ein Stück Kuchen mit Kaffee oder Tee, ein kleiner Blumentopf mit Krokussen und eine Autogrammkarte der Husumer Krokusblütenkönigin. Das Pauschalangebot mit zwei Hotel-Übernachtungen kann bei der Tourist Information in Husum gebucht werden. Außerdem ist ein Gruppenangebot „Frühlingswunder Krokusblüte“ buchbar. 04841/8987-0 oder im Internet unter

www.husum-tourismus.de

Individualisten lieben Amrum wegen der abwechslungsreichen Natur

Zeigt sich Amrum im Frühjahr eher von seiner beschaulichen Seite, herrscht zu Ostern regelrechter Trubel. Denn das traditionelle Osterfeuer auf dem Nebeler Strand und das große Ostereier-Suchen am Ostersonntag in Wittdün und Nebel oder am Ostermontag in Norddorf machen die Insel besonders für Familien so anziehend. 

Amrum bietet eine facettenreiche, unberührte Natur                                                 © (4) djd|Amrum 

Vom Festlandhafen Dagebüll im Nordwesten Schleswig-Holsteins geht es mit der Fähre in knapp zwei Stunden nach Amrum. Und schon die Überfahrt ist eine Reise wert: Die Weite des Himmels und des Wattenmeeres liegen vor einem, aller Alltagsstress fällt ab und der Urlaub kann beginnen.

Weites Land, unendlicher Himmel

Im Sommer kommen die Touristen vor allem wegen des Kniepsands, einem der größten und feinsandigsten Badestrände Europas. Wenn Ende Februar mit den lodernden sogenannten Bikefeuern überall auf der Insel der Winter ausgetrieben ist und die Natur zu neuem Leben erwacht, zieht es dagegen vor allem Individualisten nach Amrum, die Ruhe und Erholung suchen. Für sie hat die waldreiche Nordseeinsel auf kleinstem Raum einiges zu bieten: Vom langen Sandstrand über Dünen, Wald und Heide bis hin zu Salzwiesen und Wattenmeer.

Mit dem Fernglas zur Vogelbeobachtung

Mit nur 2.200 Einwohnern stehen die Aussichten nicht schlecht, bei langen Spaziergängen oder ausgedehnten Radtouren kaum einer Menschenseele zu begegnen. Ein Höhepunkt für Wanderfreunde ist sicher die acht Kilometer lange, geführte Wattwanderung zur Nachbarinsel Föhr, die man ab Mitte Mai wieder antreten kann. Die Strecke von Insel zu Insel ist einmalig in Deutschland. Aber auch Schiffstouren zu den Seehundbänken, nach Sylt oder zu den Halligen Hooge und Langeneß bringen viel Abwechslung. Auf Naturfreunde wartet die Vogelkoje Meeram – ein weiteres Naturparadies, das mit Naturlehrpfad und einem archäologischen Areal spannende Einblicke in die Flora und Fauna der Insel ermöglicht.  

Entspannen und genießen auf friesische Art

Die Perle Nordfrieslands punktet aber nicht nur mit ihrer intakten Natur und der gesunden frischen Nordseeluft. Im Amrumspa und dem Badeland warten Wellenbad, Sauna und Massagen auf gestresste Festländer, die in den fünf Inseldörfern auch Angebote für Qi Gong, Yoga und andere Entspannungstechniken finden. Anschließend gönnt man sich in einem der Cafés und Gasthäuser eine friesische Teezeremonie, genießt die regionalen Spezialitäten oder versucht einen Pharisäer – einen Pott Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Rum und Sahnehaube obenauf.

Information: www.amrum.de

Erleuchtet – Turmkerze erstrahl in der Adventszeit

Zum Advent im Ahrtal gehören nicht nur die gemütlichen Weihnachtsmärkte im mittelalterlichen Ahrweiler und in den romantischen Winzerdörfern, sondern auch die Uferlichter in der Kurstadt Bad Neuenahr und die einzigartige Turmkerze auf dem Neuenahrer Berg. Hoch über dem Ahrtal ist sie während der Adventszeit von beiden Stadtzentren in Bad Neuenahr und Ahrweiler gut sichtbar.

Ein großes Flammensegel wird jedes Jahr im Advent auf dem Aussichtsturm auf 330 Metern Höhe über dem Ahrtal von einem freiwilligen Helferteam installiert. Da es keinen Stromanschluss auf dem Neuenahrer Berg gibt, strahlt ein Stromgenerator die 2,35 Meter breite und 4,85 Meter hohe Flamme am Abend an. Bei optimaler Wetterlage ist die Flamme bis in die Grafschaft und von der Autobahn A61 gut zu sehen und ist mittlerweile ein Wahrzeichen für das winterliche Ahrtal im Advent geworden.

Strahlkraft im Ahrtal.                                                                                   © Ahrtal-Tourismus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Stahlkonstruktion hält den winddurchlässigen Stoff aufrecht und bietet ausreichend Widerstand gegen Wind und die Witterungseinflüsse. Der Aussichtsturm auf dem Neuenahrer Berg liegt an der Wanderstrecke des AhrSteigs und ist ganzjährig für Besucher geöffnet. Der Initiator der Neuenahrer Turmkerze Horst Felten plant weitere Turmkerzen im Ahrtal einzurichten, um die Idee eines Adventskranzes mit vier Kerzen zu vervollständigen. Denkbar sind weitere Kerzen auf dem Feltenturm in Sinzig, auf der Landskrone oder dem Krausberg.

Information: www.ahrtal.de

 

Een biertje, alstublieft

Was eint flämische Klosterbrüder, traditionsreiche Familienbetriebe, ambitionierte Feinschmecker und neuerdings in verstärktem Maße auch ambitionierte Jungbrauer? Nun, sie alle sind der Leidenschaft des Bierbrauens verfallen. Das bedeutet in Flandern: Freude an handwerklichem Können, die Verwendung hochwertiger Zutaten, die Bereitschaft (und die Freiheit) zum Experiment sowie ein hohes Qualitätsbewusstsein. So ist es kein Wunder, dass
Variantenreichtum und Aromavielfalt der flämischen Biere weltweit geschätzt – und imitiert – werden. Deshalb wurde die belgische Bierkultur  immaterielles UNESCO-Welterbe. 

Das belgische Bier gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Dies hat der zuständige Ausschuss der UNESCO nach seiner Sitzung am Mittwoch, 30. November, im äthiopischen Addis Abeba verkündet. Wie der flämische Kulturminister Sven Gatz (Open VLD) auf seiner Webseite erläutert, sind die belgische Braukunst und die Vielfalt der Bierkultur einzigartig. Aus diesem Grunde haben sich Vertreter aus allen drei belgischen Sprachräumen vor anderthalb Jahren dazu entschlossen, bei der UNESCO einen Antrag auf den dauerhaften Schutz von Tradition und Brauchtum einzureichen. Dieser sei nun nach sorgfältiger Prüfung bewilligt worden.

Ein Bier im Kornfeld.                                                                                         © Augustijn T. Coussement

Wie Gatz weiter ausführt, habe sich die UNESCO insbesondere davon beeindruckt gezeigt, welche Anstrengungen in Belgien zur Ausbildung von Braumeistern, zur Beibehaltung der Biervielfalt und zur Vermarktung der traditionellen Bierkultur unternommen würden. Dazu gehöre es auch, vor den Folgen des Alkoholmissbrauchs zu warnen.

Flandern hat eine einmalige Bierkultur.                                                                                  © Milo Profil

Belgien zählt insgesamt an die 1500 verschiedenen Biere. Die überwiegende Mehrzahl wird bis heute in kleinen Mengen auf authentische Weise nach lokalen Rezepturen handwerklich produziert. Die Bierkultur wird zudem in allen Teilen des Landes durch Verkostungsvereinigungen, Kurse und Ausbildungen sowie durch Feste und Museen erhalten und gepflegt. Am 17. und 18. Dezember etwa freut sich das kleine Städtchen Essen bei Antwerpen auf das Weihnachtsbierfestival, das von der „Vereinigung objektiver Bierverkoster von Essen und Umgebung“ organisiert wird.

Information: www.visitflanders.com

Seemannsgarn oder doch wahr? Geschichten von der Nordsee

Herbststürme jagten über die Inseln und die Westküste. Endlos und unergründlich verliert sich die See nach dem Sturm in Gleichmut bis zum Horizont. Dort hinaus fuhren sie früher, um ihr Glück zu suchen – manche kamen wieder und zu Reichtum, andere starben im ewigen Eis oder an tropischem Fieber. Um die Türme der alten Kirchen auf Amrum und auf Föhr heult der Wind, zerrt an den kahlen Kronen der Kastanien auf dem Friedhof von Lunden in Dithmarschen. Novemberwetter; und Zeit zum Erzählen – auf manchen Friedhöfen stehen Steine, die Geschichten erzählen und auch von denen, die einst Geschichte machten. Eine besondere Entdeckungsreise. Von Seeräuber-Geschichten in 1001 Nacht und Politmorden in der Provinz. 

Der Friedhof der St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum ist einer der außergewöhnlichsten in Deutschland – hier stehen mehr als 150 Grabsteine, die Geschichten erzählen. Lebensgeschichten. Und die wohl verrückteste dieses steinernen Geschichtsbuches ist die von Hark Olufs. Und hier steht sein Stein: Mit eingemeißelter Krone und Schwert, mit Köcher, Pfeil und Bogen, mit Trompeten und ganzem Lebenslauf: „(…) bald darauf in sein jungen Jahren von den türkischen Seeräubern zu Algier ist er anno 1724 (…) gefangen genommen worden. In solcher Gefangenschaft aber hat er dem türkischen Bey zu Constantine (…) elf und ein viertel Jahr gedient. Bis ihm endlich dieser Bey anno 1735, den 31. Oktober, aus Gewogenheit zu ihm seine Freiheit geschenket, da er denn das folgende Jahr darauf anno 1736, den 25. April glücklich wieder (…) auf seinem Vaterland angelanget ist. Und sich also anno 1737 in den Stande der heiligen Ehe begeben mit Antje Harken.(…)“

Der Friedhof der St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum .

Geboren wurde Hark Olufs im Sommer 1708 in Süddorf. 1721 wurde er Matrose, drei Jahre später im Ärmelkanal von Seeräubern gefangen genommen und mitsamt Schiff und Mannschaft nach Algier verschleppt. Hark Olufs wurde auf dem Markt von Algier verkauft und landete beim Bey von Constantine, dem Statthalter dieser damaligen osmanischen Provinz. Dort bewährte sich der junge Mann und stieg zum Oberbefehlshaber einer Militäreinheit auf. Olufs fügte sich und konvertierte sogar zum Islam. 1735 wurde Hark Olufs von seinem Bey, wohl auch als Dank für seine militärischen Verdienste, freigelassen und kehrte ein Jahr später nach Amrum zurück. Dort begegnete ihm, dem Wohlhabenden und Muslim, nicht nur Freude, sondern auch Misstrauen. Erst nach Rekonvertierung zum Christentum, Konfirmation und Heirat kehrte er endgültig in die Gemeinschaft der Insulaner zurück. Olufs starb im Alter von nur 46 Jahren.

Seemannsgräber sind steinerne Zeitzeugen.

Wer sich, wie die Kapitäne und deren Familien, diese Grabsteine (bis zwei Meter hoch und oft eine Tonne schwer) leisten konnte, hatte etwas aus seinem Leben zu berichten. Und war wohlhabend, denn: „Das Material wurde aus dem Weserbergland herbeigeschafft und die bildlichen Darstellungen sind manchmal derart aufwendig und detailreich, dass die Anfertigung ein Vermögen gekostet haben muss“, so Inselpastor Georg Hildebrandt. Angefertigt wurden diese zumeist zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert.

Ab dem Jahr 2009 wurden die Steine restauriert. „Einige Grabsteine standen jahrzehntelang einfach an die Friedhofsmauer gelehnt, andere waren gar zerbrochen. Nun ist der größte Teil aufgefrischt und steht nach Familien sortiert wie eine Allee auf dem Kirchhof von St. Clemens in Nebel. Wer den Friedhof betritt, findet sie auf der linken Seite“, erklärt Georg Hildebrandt. Man kann hier viel Zeit verbringen, und sich die Geschichten auf den restaurierten Steinen anschauen und sie auch viel besser lesen: „Die Inschriften sind nach der Restaurierung wesentlich plastischer – und manche Grabsteine sind mit einem QR-Code versehen, sodass Sie den Text über Ihr Mobiltelefon lesen können“, sagt Georg Hildebrandt.

Information: www.amrum.de

Das Gräberfeld auf dem Friedhof von Süderende auf Föhr. Der Wind heult um den Turm von St. Laurentii, zerrt an den Zweigen und schiebt dunkle Wolken vorüber. Novemberwetter und auf dem Feld endloser Ruhe liegen auch hier diejenigen begraben, die etwas zu erzählen haben – mag das Leben endlich sein, ihre Geschichten sind unsterblich. Zumindest so lange, wie der Sandstein hält, auf dem sie geschrieben stehen. Bis zu zwei Meter hoch und tonnenschwer zeugen auch auf Föhr Grabplatten vom Leben und Wirken berühmter und weniger berühmter Bürger. „…und ein berühmter Mann war der glückliche Matthias“, sagt Ralf Brodersen, der Mann aus Süderende, der die Geschichten hier kennt wie kaum ein zweiter, „kommen Sie mal mit, ich zeig´ Ihnen den Stein.“ Und erzählt dann auch gleich vom glücklichen Matthias. Der wurde 1632 auf Föhr geboren.

Ralf Brodersen erforscht die Grabsteine der Seefahrer.

Wie viele andere Männer von den Inseln und Halligen suchte auch Matthias Petersen sein Glück auf See, denn an Land gab es kaum Möglichkeiten für ein Auskommen. „In Süderende hatte Richardus Petri, der Pastor von St. Laurentii, eine Navigationsschule eingerichtet; hier erhielt Matthias Petersen seine seemännische Ausbildung. Bereits als 20jähriger hatte er das Kommando über ein Walfangschiff”, erzählt Ralf Brodersen. Die Schiffe fuhren unter holländischer Flagge in das Nordmeer, hinauf bis Grönland und Spitzbergen. Es war eine meist riskante Reise in dieser wilden Welt – um dort Wale zu jagen, begehrt war seinerzeit der Tran als Lampenöl. Man konnte sein Glück machen, doch mancher kehrte nicht zurück. Wie viele Föhrer Familien blickten im Herbst bang auf die See und erwarteten die Rückkehr ihrer Männer und Väter? Petersens hatten mit Matthias gutes Glück: „Matthias fuhr zu einer Zeit, als die Wale noch so zahlreich waren, dass man sie einfach in die Buchten treiben konnte, um sie dort zu erlegen. Die gefährliche Jagd auf hoher See setzte erst später ein. Innerhalb von 50 Jahren erbeuteten die Schiffe unter seinem Kommando 373 Wale – damit gehört er zu den erfolgreichsten Walfängern der Westküste“, berichtet Brodersen weiter. Der „glückliche Matthias“ kam also zu großem Reichtum, auf seiner letzten Fahrt geriet er in die Hände französischer Freibeuter und musste sich und seine Mannschaft freikaufen – das Geld dafür hatte er.

Und auch hierfür: „Kommen Sie mal mit in die Kirche“, sagt Brodersen. Die Kirche ist uralt und wunderschön, eine umarmende, friedvolle Stimmung erfasst den Gast. Zwei gewaltige Kronleuchter aus Messing hängen an der Decke. „Die haben Matthias und sein Sohn gestiftet“, sagt Brodersen, „wir benutzen sie noch heute.“ Und weil Matthias viel Geld hatte, war er ursprünglich auch vor dem Altar beerdigt. Sehr viel der Ehre, die Kirche sollte dafür auch sehr viele Goldtaler von den Erben bekommen. Bekam sie aber nicht, also wurde Matthias kurzerhand nach draußen umgebettet – dorthin, wo heute die Grabplatte steht. Und vom „Glücklichen“ berichtet, der „…mit Zustimmung aller den Namen `Der Glückliche´ annahm.“ So steht es geschrieben auf Stein in Süderende auf Föhr.

Information: www.foehr.de

Die Kronen der kahlen Kastanien rauschen im Wind nahe von St. Laurentius in Lunden in Dithmarschen. Im Schatten von Kirchturm und Kastanie stehen und liegen Grabplatten, grau vom Wetter der Jahrhunderte und dennoch sind auf einigen Verzierungen zu erkennen, laden ein zur Geschichtsstunde. Erzählen die Gräber auf Föhr und Amrum von den Geschichten der Seefahrer, so berichten diese Steine von Männern, die Geschichte schrieben: Dithmarschen war im ausgehenden Mittelalter de facto ein eigenständiger Staat mit einer Regierung bestehend aus 48 mächtigen Männern, vornehmlich reichen Bauern; dem „Rat der 48“ – den „Regenten“. Anführer von Familiensippen, den „Geschlechtern“.

Die Grabplatten vor der Kirche in Lunden.

Auf dem Geschlechterfriedhof in Lunden, der in seiner Anlage noch weitestgehend so erhalten geblieben ist, wie er angelegt wurde, sind einige dieser Familien beerdigt. Der Weg über den Friedhof führt auch zu Hügeln; darunter sind Grabkeller. 13 dieser Grüfte sind bis heute erhalten. Eine enge Treppe führt hinab, Hans-Jürgen Löbkens hat den Schlüssel und öffnet die Tür zu Gruft. Einer dieser schaurigen Keller ist öffentlich zugänglich. Es riecht feucht und modrig, nach nasser Erde. Die Grabkammer besteht aus zwei Räumen, die Nebenkammer ist abgesperrt mit einem Gitter. Weißgetüncht war die Gruft einst und nun blättert es überall ab, Algen wachsen an den Wänden. Die kleine Kammer ist von schwachem gelbem Licht beleuchtet, auf einem Gestell steht ein Sarg. Natürlich liegt dort niemand drin, hier wird demonstriert, wie einstmals – zuletzt in den 1950er Jahren – bestattet wurde. „In den Kellern wurden die Särge entweder auf Ziegelreihen oder auf eiserne Gestelle gesetzt“, erklärt Löbkens. Die Grüfte wurden aus Ziegeln errichtet und haben in der Regel über zwei Luftschächte. Die Grabplatten und Stelen wiegen bis zu zwei Tonnen. Geöffnet und verschlossen wurden die Platten bei Beerdigungen mit Pferden. Fast allen Steinen sind die vier Symbole in den Ecken gemein: Engel und Löwe, Stier und Adler – „…sie stehen für die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Auferstehung war das Wichtigste, so steht im Zentrum stets ein Engel mit den Familienwappen in den Händen“, so Löbkens.

Dieser Gedenkstein erinnert an den ermordeten Peter Swyn.                     © (6) Nordsee-Tourismus

Auch in Lunden erzählen die Steine ganze Geschichten. Eine Besondere ist die des Regenten Peter Swyn. Der „48er“ setzte sich für die Abkehr von der katholischen Kirche hin zum neuen Glauben, der Reformation, ein. Die sich daraus ergebenen notwendigen Änderungen im Rechtswesen (Abschaffung des Fehderechtes und Reformierung der Eideshilfe) versuchte er mit umzusetzen, so Löbkens. „Andere Geschlechter, vornehmlich die Russeboligmannen, befürchteten durch die Auflösung der Geschlechterbundbriefe erheblichen Machtverlust. Daraufhin haben Auftragsmörder Peter Swyn bei einem Alleinausritt – zur Kontrolle der Arbeit der Tagelöhner auf seinen Ländereien im Moor – aufgelauert, ihn vom Pferd gerissen und erschlagen. Die Mörder sind später gefasst und ihrer gerechten Strafe zugeführt worden“, sagt Löbkens. Auf dem Gedenkstein oberhalb seines Grabes ist die Szene seiner Ermordung dargestellt. Auf der Vorderseite, geschrieben in gotischen Minuskeln, steht: „Im Jahre des Herrn 1537 am Abend Marien Himmelfahrt ist hier erbarmlich zu Tode gebrocht der hochlöbliche Peter Swyn alt gewesen 57 Jahr“. Auf der Rückseite: „Auch wahr ist verräterisch ermordet der ehrbare Peter Swyn dem Gott der Herr gnädig will sein. Er ist diesem Lande so ratsam Treu gewesen also bei vielen Herren, Städten und Landen auserlesen die Freiheit dieses Landes so frei zu bewahren, dabei Leib und Leben nicht geschont. Der ein guter Dithmarscher ist der beruft sich dieses Mordes.- Das ist gewiß“. Der Wind jagt durch die Kronen und ein Rauschen weht über´s Land, die fahle Herbstsonne lässt die Schatten auf diesem Friedhof spielen. Dort, wo die Toten ruhen, ihre Geschichten aber in solchen Augenblicken seltsam lebendig sind und sich eine Gruft auch von Innen öffnen lässt. Und wer mag nur wegen des Novemberwetters eine Gänsehaut kriegen?

Information: www.kirchengemeinde-lunden.de

Christkind taucht in den Untergrund ab

Wem Weihnachtsmärkte allzu vertraut scheinen, der sollte sich an die Mosel aufmachen. Nach Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues. Hier haben sich die Orte Ungewöhnliches einfallen lassen. Weihnachten naht – in Traben-Trarbach geht es am 25. November los, in Bernkastel-Kues bereits am 19. November.

In Traben-Trarbach geht das Christkind in den Untergrund: Der Weihnachtsmarkt findet unterirdisch statt – und das sogar bis zum 3. Januar kommenden Jahres. Auf insgesamt 3.000 Quadratmetern tummeln sich in den Weinkellern der Weingüter und Hotels internationale Kunsthandwerker und Aussteller. Sie bieten an ihren über 100 Ständen regionale Verköstigung, weihnachtliche Geschenkideen, Kunsthandwerk, Mode und Schmuck feil. Platz ist genug vorhanden, denn Ende des 19. Jahrhunderts war Traben-Trarbach ein weltweit wichtiges Weinhandelszentrum (gleich nach Bordeaux!) und große Teile des Stadtzentrums wurden unterkellert – so umfangreich wie in keiner anderen Moselstadt. Traben ist übrigens ein alter, erstmals 830 urkundlich erwähnter Ort, der 1815 preußisch wurde und sich 1904 mit Trarbach zu einer Gemeinde vereinte.

Unterirdisch gut: Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach.                                     © (4) Holger Bernert

Über 100 Jahre später tritt die Gemeinde auf dem Mosel-Wein-Nachts-Markt auch gemeinschaftlich auf. Die Bevölkerung wird in die Gesamtorganisation integriert: Lebende Infosäulen dienen als Wegeleitung für Besucher und können mit individueller Hintergrundinformationen aufwarten. Zum Programm des Marktes gehören weiterhin thematische Führungen durch die unter- und überirdische Architektur der Stadt: Auffällig ist die Jugendstilarchitektur von Bruno Möhring, der hier ein Brückentor sowie einige Wohnhäuser und Villen hinterließ.

Information: www.mosel-wein-nachts-markt.de

Große Auswahl auf 3.000 Quadratmetern unterirdischer Fläche.

Auch Bernkastel-Kues bindet das Stadtleben auf ungewöhnliche Weise in den Vorweihnachtstrubel ein und erfreut die Besucher mit einem riesigen Adventskalender am Marktplatz. In den Fenstern der Adler Apotheke, einem historischen Fachwerkhaus, öffnet sich vom 1. Dezember an jeden Tag ein Türchen, gefolgt von einer künstlerischen Darbietung. Am 3. Dezember steigt das traditionelle Fackelschwimmen in der Mosel und an den Wochenenden finden weihnachtlich-stimmungsvolle Schifffahrten statt.

Tolle Lichtstimmung in Bernkastel-Kues.

Schöner und ungewöhnlicher bietet sich kaum Gelegenheit, die vielfältige Landschaft, Kultur und Geschichte der Region zu erkunden. Besucher können beide Märkte problemlos an einem Tag erleben: ein Shuttlebus fährt in 20 Minuten von einem Ort zum anderen.

Information: www.bernkastel.de

Die Fackelschwimmer begleiten den Nikolaus auf der Mosel.

Am Romantischen Rhein wird der Welterbetag gefeiert

Der bundesweite UNESCO-Welterbetag wird  auch am Mittelrhein mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Unter dem Motto „Auf Spurensuche im UNESCO-Welterbe” findet am Sonntag, 5. Juni, der Unesco-Welterbetag statt. Ein Blick in den umfangreichen Veranstaltungskalender lohnt sich. In zahlreichen Orten entlang des Limes und des Welterbes Oberes Mittelrheintal waren die Verantwortlichen kreativ und haben sich besondere Einblicke und Ausblicke einfallen lassen.

Kulinarische Genüsse kredenzen die Welterbe-Gastgeber mit ganzen Menüs oder Welterbe-Riesling-Sahnetorte. Auch zur Weinprobe wird eingeladen. Musikalische Angebote reichen von Konzerten bis zur musikalischen Standup Comedy. Zahlreiche Welterbe-Gärten und Privatgärten laden zur Besichtigung und bieten spezielle Führungen an. Der Park und die Gärten von Schloss Stolzenfels oder der Hildegarten in Bingen werden ebenfalls mit einer speziellen Führung erläutert. Das Loreley-Besucherzentrum lädt zum Tag der offenen Tür. Und zur „Welterbeschifffahrt“ auf dem romantischen Rhein lädt die KD ein. Stadtführungen in den einzelnen Orten gehören ebenso zum Programm wie Gästeführungen der Welterbe-Gästeführer. Für Kinder und junggebliebene ist die geführte Tour mit Exmoor-Pony und Buren-Ziege in Oberdiebach zu empfehlen. Rüdesheim lädt indes zum Kulturspaziergang „Auf den Spuren berühmter Dichter und Denker“ ein. Unter dem Motto „Märchen und Sagen im Mittelrheintal“ feiert Boppard den Kinder-Welterbetag mit Aufführungen, Bastelaktionen, Kinderolympiade und vielem mehr. Mit Zöllnern, Musikanten, Gauklern und Burgmägden wird ein Erlebnistag auf Burg Pfalzgrafenstein angeboten und Oberwesel lädt zum Stadtmauerfest mit einem bunten Programm.

Diesen Ausblick aufs romantische Rheintal gibt es nur von der Marksburg                                                                                                                                                                                    © Luca Lamonte-Austin

„Aktiv am Beginn des Limes“ heißt es zum Welterbetag in der Römerwelt Rheinbrohl des Unesco-Welterbe Obergermanisch-rätischer Limes. Dann heißt es Pilum werfen, sich im Steinmetzen üben und den römischen Kran “Polyspastos” in Aktion zu sehen. Bei einer begleiteten Kräuterwanderung rund um die RömerWelt begibt sich Kräuterpädagogin Katja Vogel mit den Besuchern auf die Suche nach Wild- und Heilpflanzen. Zum Abschluss können die vorher entdeckten Wildkräuter verkostet werden. Zwei Workshops zum Bogenschießen informieren um 12.30 und um 15.00 Uhr über die Geschichte und Technik der Bogenschießkunst. Die Teilnehmer dürfen als Bogenschützen selbst Hand anlegen und verschiedene Ziele anvisieren. Eine Anmeldung zu diesen beiden Aktionen ist bis zum 29. Mai 2016 zwingend erforderlich: www.roemer-welt.de . Mit dem Fahrrad startet um 11.00 Uhr eine geführte Limes-Tour in Neuwied. Treffpunkt ist an der StadtGalerie in der Schlossstraße. Für die circa 5-stündige Tour ist eine Anmeldung bei der TI Neuwied erforderlich. Am Limeskastell Pohl startet zum Welterbetag eine geführte Wanderung zum Römerkastell Holzhausen. Einen musikalischen Bildvortrag bietet das Shamrock Duo „Book of Kells“ um 18:00 Uhr in Pohl.

Zu Ehren von Kaiserin Augusta – der Begründerin der Koblenzer Rheinanlagen – präsentiert die Koblenz-Touristik an diesem Tag das „Kaiserin Augusta Fest“. Die Koblenzer Kaiserin-Augusta-Anlagen am Koblenzer Rheinufer inklusive dem Schlossgarten des Kurfürstlichen Schlosses verwandeln sich in eine Flaniermeile und laden die ganze Familie ein, sich an diesem Tag in die Zeit der Kaiserin zurückversetzen zu lassen. Geboten werden Schauspiel und Lesungen in historischen Kostümen, Auftritte regionaler Chöre und Ensembles, Kutschfahrten, Aktionen und Spielangebote für Kinder und Familien sowie Informations- und Gastronomiestände von lokalen Vereinen und Institutionen. Die Veranstaltung ist einer der Höhepunkte im Rahmen der Koblenzer Gartenkultur Saison 2016. Um die Ver- und Entsorgung der Festung Ehrenbreitstein zur Preußenzeit dreht sich alles beim Festungsfest & Craft Beer-Festival.

Information: www.romantischer-rhein.de

Ado Huesgen ist Steillagenretter im Auftrag des Rieslings

Jetzt kann sich auch Adolph Huesgen als Steillagenretter des Rieslings bezeichnen. Der Winzer aus Traben-Trarbach ist jetzt Mitglied im “Klitzekleinen Ring”. Dort haben sich zehn Weingüter aus der Region zusammengefunden, die neben der Liebe zum Weinmachen auch die Kulturlandschaft für spätere Generationen erhalten möchten. Bereits seit zehn Jahren wird mit “Bergrettung” ein Riesling zur Rettung und Pflege der wertvollen Steil- und Steilstlagen an der Mosel gemeinsam gekeltert und vermarktet. Das Weingut Villa Huesgen verfügt über Steillagen im Trabener Würzgarten und Enkirchener Steffensberg. 

Von Holger Bernert

Als Stammsitz des Weingutes gilt die Villa Huesgen als  Paradebeispiel des Art nouveau in Traben-Trarbach. Mit rund einer Million Goldmark Baukosten gehört das herrschaftliche Einfamilienhaus auch zu den teuersten Jugendstilbauten in der Doppelstadt. In der achten Generation möchte Adolph Huesgen das Anwesen mit interessanten Veranstaltungen rund um den Riesling gerne mehr Menschen zugänglich machen. In den beiden letzten Jahren fand im Garten und Keller des Anwesens bereits die “Tafelrunde” statt. Alljährlich laden die Winzer im Frühherbst zu einer öffentlichen Weinverkostung im außergewöhnlichen Ambiente ein.  

Ado Huesgen im Weinkeller der Villa Huesgen.
                                                                                                                                            © (2) Holger Bernert

Der wegen seines markanten Barts „Moselbismarck“ genannte Weinbaron Adolph Huesgen, der Urgroßvater des heutigen Weingutbesitzers, engagierte den Berliner Architekten Prof. Bruno Möhring. Für den Bau der 70-Zimmer-Villa mit hauseigenem Theatersaal legte der Weinhändler damals eine Million Goldmark auf den Tisch.

Die Villa Huesgen ist Stammsitz des gleichnamigen Weinguts in Traben-Trarbach.

Bevor Adolph Huesgen 1949 starb, musste er noch seine Töchter adäquat unter die Haube bringen. „Im eigens zu diesem Zweck im Dachgewölbe der Villa erbauten Theatersaal gab es Aufführungen, zu denen reiche und namhafte Herren eingeladen wurden. „Dies hatte nur einen Zweck“, weiß Urenkel Ado Huesgen. „Er wollte seine vier Töchter, die als Mitgift ein eigenes Weingut mit in die Ehe brachten, möglichst gut verheiraten. Das ist ihm wohl gut gelungen.“

Information: www.villahuesgen.com