Een biertje, alstublieft

Was eint flämische Klosterbrüder, traditionsreiche Familienbetriebe, ambitionierte Feinschmecker und neuerdings in verstärktem Maße auch ambitionierte Jungbrauer? Nun, sie alle sind der Leidenschaft des Bierbrauens verfallen. Das bedeutet in Flandern: Freude an handwerklichem Können, die Verwendung hochwertiger Zutaten, die Bereitschaft (und die Freiheit) zum Experiment sowie ein hohes Qualitätsbewusstsein. So ist es kein Wunder, dass
Variantenreichtum und Aromavielfalt der flämischen Biere weltweit geschätzt – und imitiert – werden. Deshalb wurde die belgische Bierkultur  immaterielles UNESCO-Welterbe. 

Das belgische Bier gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Dies hat der zuständige Ausschuss der UNESCO nach seiner Sitzung am Mittwoch, 30. November, im äthiopischen Addis Abeba verkündet. Wie der flämische Kulturminister Sven Gatz (Open VLD) auf seiner Webseite erläutert, sind die belgische Braukunst und die Vielfalt der Bierkultur einzigartig. Aus diesem Grunde haben sich Vertreter aus allen drei belgischen Sprachräumen vor anderthalb Jahren dazu entschlossen, bei der UNESCO einen Antrag auf den dauerhaften Schutz von Tradition und Brauchtum einzureichen. Dieser sei nun nach sorgfältiger Prüfung bewilligt worden.

Ein Bier im Kornfeld.                                                                                         © Augustijn T. Coussement

Wie Gatz weiter ausführt, habe sich die UNESCO insbesondere davon beeindruckt gezeigt, welche Anstrengungen in Belgien zur Ausbildung von Braumeistern, zur Beibehaltung der Biervielfalt und zur Vermarktung der traditionellen Bierkultur unternommen würden. Dazu gehöre es auch, vor den Folgen des Alkoholmissbrauchs zu warnen.

Flandern hat eine einmalige Bierkultur.                                                                                  © Milo Profil

Belgien zählt insgesamt an die 1500 verschiedenen Biere. Die überwiegende Mehrzahl wird bis heute in kleinen Mengen auf authentische Weise nach lokalen Rezepturen handwerklich produziert. Die Bierkultur wird zudem in allen Teilen des Landes durch Verkostungsvereinigungen, Kurse und Ausbildungen sowie durch Feste und Museen erhalten und gepflegt. Am 17. und 18. Dezember etwa freut sich das kleine Städtchen Essen bei Antwerpen auf das Weihnachtsbierfestival, das von der „Vereinigung objektiver Bierverkoster von Essen und Umgebung“ organisiert wird.

Information: www.visitflanders.com

Seemannsgarn oder doch wahr? Geschichten von der Nordsee

Herbststürme jagten über die Inseln und die Westküste. Endlos und unergründlich verliert sich die See nach dem Sturm in Gleichmut bis zum Horizont. Dort hinaus fuhren sie früher, um ihr Glück zu suchen – manche kamen wieder und zu Reichtum, andere starben im ewigen Eis oder an tropischem Fieber. Um die Türme der alten Kirchen auf Amrum und auf Föhr heult der Wind, zerrt an den kahlen Kronen der Kastanien auf dem Friedhof von Lunden in Dithmarschen. Novemberwetter; und Zeit zum Erzählen – auf manchen Friedhöfen stehen Steine, die Geschichten erzählen und auch von denen, die einst Geschichte machten. Eine besondere Entdeckungsreise. Von Seeräuber-Geschichten in 1001 Nacht und Politmorden in der Provinz. 

Der Friedhof der St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum ist einer der außergewöhnlichsten in Deutschland – hier stehen mehr als 150 Grabsteine, die Geschichten erzählen. Lebensgeschichten. Und die wohl verrückteste dieses steinernen Geschichtsbuches ist die von Hark Olufs. Und hier steht sein Stein: Mit eingemeißelter Krone und Schwert, mit Köcher, Pfeil und Bogen, mit Trompeten und ganzem Lebenslauf: „(…) bald darauf in sein jungen Jahren von den türkischen Seeräubern zu Algier ist er anno 1724 (…) gefangen genommen worden. In solcher Gefangenschaft aber hat er dem türkischen Bey zu Constantine (…) elf und ein viertel Jahr gedient. Bis ihm endlich dieser Bey anno 1735, den 31. Oktober, aus Gewogenheit zu ihm seine Freiheit geschenket, da er denn das folgende Jahr darauf anno 1736, den 25. April glücklich wieder (…) auf seinem Vaterland angelanget ist. Und sich also anno 1737 in den Stande der heiligen Ehe begeben mit Antje Harken.(…)“

Der Friedhof der St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum .

Geboren wurde Hark Olufs im Sommer 1708 in Süddorf. 1721 wurde er Matrose, drei Jahre später im Ärmelkanal von Seeräubern gefangen genommen und mitsamt Schiff und Mannschaft nach Algier verschleppt. Hark Olufs wurde auf dem Markt von Algier verkauft und landete beim Bey von Constantine, dem Statthalter dieser damaligen osmanischen Provinz. Dort bewährte sich der junge Mann und stieg zum Oberbefehlshaber einer Militäreinheit auf. Olufs fügte sich und konvertierte sogar zum Islam. 1735 wurde Hark Olufs von seinem Bey, wohl auch als Dank für seine militärischen Verdienste, freigelassen und kehrte ein Jahr später nach Amrum zurück. Dort begegnete ihm, dem Wohlhabenden und Muslim, nicht nur Freude, sondern auch Misstrauen. Erst nach Rekonvertierung zum Christentum, Konfirmation und Heirat kehrte er endgültig in die Gemeinschaft der Insulaner zurück. Olufs starb im Alter von nur 46 Jahren.

Seemannsgräber sind steinerne Zeitzeugen.

Wer sich, wie die Kapitäne und deren Familien, diese Grabsteine (bis zwei Meter hoch und oft eine Tonne schwer) leisten konnte, hatte etwas aus seinem Leben zu berichten. Und war wohlhabend, denn: „Das Material wurde aus dem Weserbergland herbeigeschafft und die bildlichen Darstellungen sind manchmal derart aufwendig und detailreich, dass die Anfertigung ein Vermögen gekostet haben muss“, so Inselpastor Georg Hildebrandt. Angefertigt wurden diese zumeist zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert.

Ab dem Jahr 2009 wurden die Steine restauriert. „Einige Grabsteine standen jahrzehntelang einfach an die Friedhofsmauer gelehnt, andere waren gar zerbrochen. Nun ist der größte Teil aufgefrischt und steht nach Familien sortiert wie eine Allee auf dem Kirchhof von St. Clemens in Nebel. Wer den Friedhof betritt, findet sie auf der linken Seite“, erklärt Georg Hildebrandt. Man kann hier viel Zeit verbringen, und sich die Geschichten auf den restaurierten Steinen anschauen und sie auch viel besser lesen: „Die Inschriften sind nach der Restaurierung wesentlich plastischer – und manche Grabsteine sind mit einem QR-Code versehen, sodass Sie den Text über Ihr Mobiltelefon lesen können“, sagt Georg Hildebrandt.

Information: www.amrum.de

Das Gräberfeld auf dem Friedhof von Süderende auf Föhr. Der Wind heult um den Turm von St. Laurentii, zerrt an den Zweigen und schiebt dunkle Wolken vorüber. Novemberwetter und auf dem Feld endloser Ruhe liegen auch hier diejenigen begraben, die etwas zu erzählen haben – mag das Leben endlich sein, ihre Geschichten sind unsterblich. Zumindest so lange, wie der Sandstein hält, auf dem sie geschrieben stehen. Bis zu zwei Meter hoch und tonnenschwer zeugen auch auf Föhr Grabplatten vom Leben und Wirken berühmter und weniger berühmter Bürger. „…und ein berühmter Mann war der glückliche Matthias“, sagt Ralf Brodersen, der Mann aus Süderende, der die Geschichten hier kennt wie kaum ein zweiter, „kommen Sie mal mit, ich zeig´ Ihnen den Stein.“ Und erzählt dann auch gleich vom glücklichen Matthias. Der wurde 1632 auf Föhr geboren.

Ralf Brodersen erforscht die Grabsteine der Seefahrer.

Wie viele andere Männer von den Inseln und Halligen suchte auch Matthias Petersen sein Glück auf See, denn an Land gab es kaum Möglichkeiten für ein Auskommen. „In Süderende hatte Richardus Petri, der Pastor von St. Laurentii, eine Navigationsschule eingerichtet; hier erhielt Matthias Petersen seine seemännische Ausbildung. Bereits als 20jähriger hatte er das Kommando über ein Walfangschiff”, erzählt Ralf Brodersen. Die Schiffe fuhren unter holländischer Flagge in das Nordmeer, hinauf bis Grönland und Spitzbergen. Es war eine meist riskante Reise in dieser wilden Welt – um dort Wale zu jagen, begehrt war seinerzeit der Tran als Lampenöl. Man konnte sein Glück machen, doch mancher kehrte nicht zurück. Wie viele Föhrer Familien blickten im Herbst bang auf die See und erwarteten die Rückkehr ihrer Männer und Väter? Petersens hatten mit Matthias gutes Glück: „Matthias fuhr zu einer Zeit, als die Wale noch so zahlreich waren, dass man sie einfach in die Buchten treiben konnte, um sie dort zu erlegen. Die gefährliche Jagd auf hoher See setzte erst später ein. Innerhalb von 50 Jahren erbeuteten die Schiffe unter seinem Kommando 373 Wale – damit gehört er zu den erfolgreichsten Walfängern der Westküste“, berichtet Brodersen weiter. Der „glückliche Matthias“ kam also zu großem Reichtum, auf seiner letzten Fahrt geriet er in die Hände französischer Freibeuter und musste sich und seine Mannschaft freikaufen – das Geld dafür hatte er.

Und auch hierfür: „Kommen Sie mal mit in die Kirche“, sagt Brodersen. Die Kirche ist uralt und wunderschön, eine umarmende, friedvolle Stimmung erfasst den Gast. Zwei gewaltige Kronleuchter aus Messing hängen an der Decke. „Die haben Matthias und sein Sohn gestiftet“, sagt Brodersen, „wir benutzen sie noch heute.“ Und weil Matthias viel Geld hatte, war er ursprünglich auch vor dem Altar beerdigt. Sehr viel der Ehre, die Kirche sollte dafür auch sehr viele Goldtaler von den Erben bekommen. Bekam sie aber nicht, also wurde Matthias kurzerhand nach draußen umgebettet – dorthin, wo heute die Grabplatte steht. Und vom „Glücklichen“ berichtet, der „…mit Zustimmung aller den Namen `Der Glückliche´ annahm.“ So steht es geschrieben auf Stein in Süderende auf Föhr.

Information: www.foehr.de

Die Kronen der kahlen Kastanien rauschen im Wind nahe von St. Laurentius in Lunden in Dithmarschen. Im Schatten von Kirchturm und Kastanie stehen und liegen Grabplatten, grau vom Wetter der Jahrhunderte und dennoch sind auf einigen Verzierungen zu erkennen, laden ein zur Geschichtsstunde. Erzählen die Gräber auf Föhr und Amrum von den Geschichten der Seefahrer, so berichten diese Steine von Männern, die Geschichte schrieben: Dithmarschen war im ausgehenden Mittelalter de facto ein eigenständiger Staat mit einer Regierung bestehend aus 48 mächtigen Männern, vornehmlich reichen Bauern; dem „Rat der 48“ – den „Regenten“. Anführer von Familiensippen, den „Geschlechtern“.

Die Grabplatten vor der Kirche in Lunden.

Auf dem Geschlechterfriedhof in Lunden, der in seiner Anlage noch weitestgehend so erhalten geblieben ist, wie er angelegt wurde, sind einige dieser Familien beerdigt. Der Weg über den Friedhof führt auch zu Hügeln; darunter sind Grabkeller. 13 dieser Grüfte sind bis heute erhalten. Eine enge Treppe führt hinab, Hans-Jürgen Löbkens hat den Schlüssel und öffnet die Tür zu Gruft. Einer dieser schaurigen Keller ist öffentlich zugänglich. Es riecht feucht und modrig, nach nasser Erde. Die Grabkammer besteht aus zwei Räumen, die Nebenkammer ist abgesperrt mit einem Gitter. Weißgetüncht war die Gruft einst und nun blättert es überall ab, Algen wachsen an den Wänden. Die kleine Kammer ist von schwachem gelbem Licht beleuchtet, auf einem Gestell steht ein Sarg. Natürlich liegt dort niemand drin, hier wird demonstriert, wie einstmals – zuletzt in den 1950er Jahren – bestattet wurde. „In den Kellern wurden die Särge entweder auf Ziegelreihen oder auf eiserne Gestelle gesetzt“, erklärt Löbkens. Die Grüfte wurden aus Ziegeln errichtet und haben in der Regel über zwei Luftschächte. Die Grabplatten und Stelen wiegen bis zu zwei Tonnen. Geöffnet und verschlossen wurden die Platten bei Beerdigungen mit Pferden. Fast allen Steinen sind die vier Symbole in den Ecken gemein: Engel und Löwe, Stier und Adler – „…sie stehen für die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Auferstehung war das Wichtigste, so steht im Zentrum stets ein Engel mit den Familienwappen in den Händen“, so Löbkens.

Dieser Gedenkstein erinnert an den ermordeten Peter Swyn.                     © (6) Nordsee-Tourismus

Auch in Lunden erzählen die Steine ganze Geschichten. Eine Besondere ist die des Regenten Peter Swyn. Der „48er“ setzte sich für die Abkehr von der katholischen Kirche hin zum neuen Glauben, der Reformation, ein. Die sich daraus ergebenen notwendigen Änderungen im Rechtswesen (Abschaffung des Fehderechtes und Reformierung der Eideshilfe) versuchte er mit umzusetzen, so Löbkens. „Andere Geschlechter, vornehmlich die Russeboligmannen, befürchteten durch die Auflösung der Geschlechterbundbriefe erheblichen Machtverlust. Daraufhin haben Auftragsmörder Peter Swyn bei einem Alleinausritt – zur Kontrolle der Arbeit der Tagelöhner auf seinen Ländereien im Moor – aufgelauert, ihn vom Pferd gerissen und erschlagen. Die Mörder sind später gefasst und ihrer gerechten Strafe zugeführt worden“, sagt Löbkens. Auf dem Gedenkstein oberhalb seines Grabes ist die Szene seiner Ermordung dargestellt. Auf der Vorderseite, geschrieben in gotischen Minuskeln, steht: „Im Jahre des Herrn 1537 am Abend Marien Himmelfahrt ist hier erbarmlich zu Tode gebrocht der hochlöbliche Peter Swyn alt gewesen 57 Jahr“. Auf der Rückseite: „Auch wahr ist verräterisch ermordet der ehrbare Peter Swyn dem Gott der Herr gnädig will sein. Er ist diesem Lande so ratsam Treu gewesen also bei vielen Herren, Städten und Landen auserlesen die Freiheit dieses Landes so frei zu bewahren, dabei Leib und Leben nicht geschont. Der ein guter Dithmarscher ist der beruft sich dieses Mordes.- Das ist gewiß“. Der Wind jagt durch die Kronen und ein Rauschen weht über´s Land, die fahle Herbstsonne lässt die Schatten auf diesem Friedhof spielen. Dort, wo die Toten ruhen, ihre Geschichten aber in solchen Augenblicken seltsam lebendig sind und sich eine Gruft auch von Innen öffnen lässt. Und wer mag nur wegen des Novemberwetters eine Gänsehaut kriegen?

Information: www.kirchengemeinde-lunden.de

Christkind taucht in den Untergrund ab

Wem Weihnachtsmärkte allzu vertraut scheinen, der sollte sich an die Mosel aufmachen. Nach Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues. Hier haben sich die Orte Ungewöhnliches einfallen lassen. Weihnachten naht – in Traben-Trarbach geht es am 25. November los, in Bernkastel-Kues bereits am 19. November.

In Traben-Trarbach geht das Christkind in den Untergrund: Der Weihnachtsmarkt findet unterirdisch statt – und das sogar bis zum 3. Januar kommenden Jahres. Auf insgesamt 3.000 Quadratmetern tummeln sich in den Weinkellern der Weingüter und Hotels internationale Kunsthandwerker und Aussteller. Sie bieten an ihren über 100 Ständen regionale Verköstigung, weihnachtliche Geschenkideen, Kunsthandwerk, Mode und Schmuck feil. Platz ist genug vorhanden, denn Ende des 19. Jahrhunderts war Traben-Trarbach ein weltweit wichtiges Weinhandelszentrum (gleich nach Bordeaux!) und große Teile des Stadtzentrums wurden unterkellert – so umfangreich wie in keiner anderen Moselstadt. Traben ist übrigens ein alter, erstmals 830 urkundlich erwähnter Ort, der 1815 preußisch wurde und sich 1904 mit Trarbach zu einer Gemeinde vereinte.

Unterirdisch gut: Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach.                                     © (4) Holger Bernert

Über 100 Jahre später tritt die Gemeinde auf dem Mosel-Wein-Nachts-Markt auch gemeinschaftlich auf. Die Bevölkerung wird in die Gesamtorganisation integriert: Lebende Infosäulen dienen als Wegeleitung für Besucher und können mit individueller Hintergrundinformationen aufwarten. Zum Programm des Marktes gehören weiterhin thematische Führungen durch die unter- und überirdische Architektur der Stadt: Auffällig ist die Jugendstilarchitektur von Bruno Möhring, der hier ein Brückentor sowie einige Wohnhäuser und Villen hinterließ.

Information: www.mosel-wein-nachts-markt.de

Große Auswahl auf 3.000 Quadratmetern unterirdischer Fläche.

Auch Bernkastel-Kues bindet das Stadtleben auf ungewöhnliche Weise in den Vorweihnachtstrubel ein und erfreut die Besucher mit einem riesigen Adventskalender am Marktplatz. In den Fenstern der Adler Apotheke, einem historischen Fachwerkhaus, öffnet sich vom 1. Dezember an jeden Tag ein Türchen, gefolgt von einer künstlerischen Darbietung. Am 3. Dezember steigt das traditionelle Fackelschwimmen in der Mosel und an den Wochenenden finden weihnachtlich-stimmungsvolle Schifffahrten statt.

Tolle Lichtstimmung in Bernkastel-Kues.

Schöner und ungewöhnlicher bietet sich kaum Gelegenheit, die vielfältige Landschaft, Kultur und Geschichte der Region zu erkunden. Besucher können beide Märkte problemlos an einem Tag erleben: ein Shuttlebus fährt in 20 Minuten von einem Ort zum anderen.

Information: www.bernkastel.de

Die Fackelschwimmer begleiten den Nikolaus auf der Mosel.

Am Romantischen Rhein wird der Welterbetag gefeiert

Der bundesweite UNESCO-Welterbetag wird  auch am Mittelrhein mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Unter dem Motto „Auf Spurensuche im UNESCO-Welterbe” findet am Sonntag, 5. Juni, der Unesco-Welterbetag statt. Ein Blick in den umfangreichen Veranstaltungskalender lohnt sich. In zahlreichen Orten entlang des Limes und des Welterbes Oberes Mittelrheintal waren die Verantwortlichen kreativ und haben sich besondere Einblicke und Ausblicke einfallen lassen.

Kulinarische Genüsse kredenzen die Welterbe-Gastgeber mit ganzen Menüs oder Welterbe-Riesling-Sahnetorte. Auch zur Weinprobe wird eingeladen. Musikalische Angebote reichen von Konzerten bis zur musikalischen Standup Comedy. Zahlreiche Welterbe-Gärten und Privatgärten laden zur Besichtigung und bieten spezielle Führungen an. Der Park und die Gärten von Schloss Stolzenfels oder der Hildegarten in Bingen werden ebenfalls mit einer speziellen Führung erläutert. Das Loreley-Besucherzentrum lädt zum Tag der offenen Tür. Und zur „Welterbeschifffahrt“ auf dem romantischen Rhein lädt die KD ein. Stadtführungen in den einzelnen Orten gehören ebenso zum Programm wie Gästeführungen der Welterbe-Gästeführer. Für Kinder und junggebliebene ist die geführte Tour mit Exmoor-Pony und Buren-Ziege in Oberdiebach zu empfehlen. Rüdesheim lädt indes zum Kulturspaziergang „Auf den Spuren berühmter Dichter und Denker“ ein. Unter dem Motto „Märchen und Sagen im Mittelrheintal“ feiert Boppard den Kinder-Welterbetag mit Aufführungen, Bastelaktionen, Kinderolympiade und vielem mehr. Mit Zöllnern, Musikanten, Gauklern und Burgmägden wird ein Erlebnistag auf Burg Pfalzgrafenstein angeboten und Oberwesel lädt zum Stadtmauerfest mit einem bunten Programm.

Diesen Ausblick aufs romantische Rheintal gibt es nur von der Marksburg                                                                                                                                                                                    © Luca Lamonte-Austin

„Aktiv am Beginn des Limes“ heißt es zum Welterbetag in der Römerwelt Rheinbrohl des Unesco-Welterbe Obergermanisch-rätischer Limes. Dann heißt es Pilum werfen, sich im Steinmetzen üben und den römischen Kran “Polyspastos” in Aktion zu sehen. Bei einer begleiteten Kräuterwanderung rund um die RömerWelt begibt sich Kräuterpädagogin Katja Vogel mit den Besuchern auf die Suche nach Wild- und Heilpflanzen. Zum Abschluss können die vorher entdeckten Wildkräuter verkostet werden. Zwei Workshops zum Bogenschießen informieren um 12.30 und um 15.00 Uhr über die Geschichte und Technik der Bogenschießkunst. Die Teilnehmer dürfen als Bogenschützen selbst Hand anlegen und verschiedene Ziele anvisieren. Eine Anmeldung zu diesen beiden Aktionen ist bis zum 29. Mai 2016 zwingend erforderlich: www.roemer-welt.de . Mit dem Fahrrad startet um 11.00 Uhr eine geführte Limes-Tour in Neuwied. Treffpunkt ist an der StadtGalerie in der Schlossstraße. Für die circa 5-stündige Tour ist eine Anmeldung bei der TI Neuwied erforderlich. Am Limeskastell Pohl startet zum Welterbetag eine geführte Wanderung zum Römerkastell Holzhausen. Einen musikalischen Bildvortrag bietet das Shamrock Duo „Book of Kells“ um 18:00 Uhr in Pohl.

Zu Ehren von Kaiserin Augusta – der Begründerin der Koblenzer Rheinanlagen – präsentiert die Koblenz-Touristik an diesem Tag das „Kaiserin Augusta Fest“. Die Koblenzer Kaiserin-Augusta-Anlagen am Koblenzer Rheinufer inklusive dem Schlossgarten des Kurfürstlichen Schlosses verwandeln sich in eine Flaniermeile und laden die ganze Familie ein, sich an diesem Tag in die Zeit der Kaiserin zurückversetzen zu lassen. Geboten werden Schauspiel und Lesungen in historischen Kostümen, Auftritte regionaler Chöre und Ensembles, Kutschfahrten, Aktionen und Spielangebote für Kinder und Familien sowie Informations- und Gastronomiestände von lokalen Vereinen und Institutionen. Die Veranstaltung ist einer der Höhepunkte im Rahmen der Koblenzer Gartenkultur Saison 2016. Um die Ver- und Entsorgung der Festung Ehrenbreitstein zur Preußenzeit dreht sich alles beim Festungsfest & Craft Beer-Festival.

Information: www.romantischer-rhein.de

Ado Huesgen ist Steillagenretter im Auftrag des Rieslings

Jetzt kann sich auch Adolph Huesgen als Steillagenretter des Rieslings bezeichnen. Der Winzer aus Traben-Trarbach ist jetzt Mitglied im “Klitzekleinen Ring”. Dort haben sich zehn Weingüter aus der Region zusammengefunden, die neben der Liebe zum Weinmachen auch die Kulturlandschaft für spätere Generationen erhalten möchten. Bereits seit zehn Jahren wird mit “Bergrettung” ein Riesling zur Rettung und Pflege der wertvollen Steil- und Steilstlagen an der Mosel gemeinsam gekeltert und vermarktet. Das Weingut Villa Huesgen verfügt über Steillagen im Trabener Würzgarten und Enkirchener Steffensberg. 

Von Holger Bernert

Als Stammsitz des Weingutes gilt die Villa Huesgen als  Paradebeispiel des Art nouveau in Traben-Trarbach. Mit rund einer Million Goldmark Baukosten gehört das herrschaftliche Einfamilienhaus auch zu den teuersten Jugendstilbauten in der Doppelstadt. In der achten Generation möchte Adolph Huesgen das Anwesen mit interessanten Veranstaltungen rund um den Riesling gerne mehr Menschen zugänglich machen. In den beiden letzten Jahren fand im Garten und Keller des Anwesens bereits die “Tafelrunde” statt. Alljährlich laden die Winzer im Frühherbst zu einer öffentlichen Weinverkostung im außergewöhnlichen Ambiente ein.  

Ado Huesgen im Weinkeller der Villa Huesgen.
                                                                                                                                            © (2) Holger Bernert

Der wegen seines markanten Barts „Moselbismarck“ genannte Weinbaron Adolph Huesgen, der Urgroßvater des heutigen Weingutbesitzers, engagierte den Berliner Architekten Prof. Bruno Möhring. Für den Bau der 70-Zimmer-Villa mit hauseigenem Theatersaal legte der Weinhändler damals eine Million Goldmark auf den Tisch.

Die Villa Huesgen ist Stammsitz des gleichnamigen Weinguts in Traben-Trarbach.

Bevor Adolph Huesgen 1949 starb, musste er noch seine Töchter adäquat unter die Haube bringen. „Im eigens zu diesem Zweck im Dachgewölbe der Villa erbauten Theatersaal gab es Aufführungen, zu denen reiche und namhafte Herren eingeladen wurden. „Dies hatte nur einen Zweck“, weiß Urenkel Ado Huesgen. „Er wollte seine vier Töchter, die als Mitgift ein eigenes Weingut mit in die Ehe brachten, möglichst gut verheiraten. Das ist ihm wohl gut gelungen.“

Information: www.villahuesgen.com

Biikebrennen und das Ende des Winters ist nah

Mag das Wetter noch so grauslich sein: Am 21. Februar wird es im Lande der Nordfriesen urgemütlich, denn dann treiben sie alljährlich an ihrer Küste, auf den Inseln und Halligen mit gewaltigen Biikefeuern, mit Essen, Trinken und Tanzen den Winter aus.

Die Biike – so nennen die Sylter das Feuerzeichen auf friesisch – geht bis auf heidnische Zeiten zurück. Vor zweitausend Jahren sollte der Opferbrand den Gott Wotan gnädig stimmen und ihn dazu bewegen, die ungeliebte eisige Jahreszeit zu beenden. Von diesem Ursprung hat sich bis heute hier und da der Brauch erhalten, eine Strohpuppe mit zu verbrennen. Aber die Feuer leuchteten auch nach der Christianisierung weiter über die See: Der 22. Februar wurde zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer zum Petritag. Seit dem 17. Jh. war die Biike für die nach langem Winter wieder auslaufenden nordfriesischen Walfänger der Abschiedsgruß von der Heimat. Und weil man vor der lebensgefährlichen Fangsaison alle Rechtsfragen geordnet haben wollte, wurde gleich noch Gerichtstag gehalten.

So richtig Spaß macht das Biikebrennen am Strand.
                                                                         © Kur- und Tourismusservice Pellworm

Beim Biikebrennen, dem ältesten nordfriesischen Brauch, sind die Einheimischen bis heute mit Begeisterung dabei. Mancherorts sammeln die Konfirmanden schon Wochen vorher Holz und Reisig, aber auch in den friesischen Vereinen und in den Küchen geht es rund. Und wenn der riesige Holzstoß dann heruntergebrannt ist, treffen sich die Nordfriesen und ihre Gäste zum deftigen Grünkohlessen mit Kasseler und Schweinebacke, Teepunsch und Grog.

Information: www.nordseetourismus.de

 

Flammendes Brauchtum in der Rotweinmetropole des Ahrtals

Bergfeuer zu Sankt Martin in den Ahrweiler Weinbergen, Martinsmarkt und Fackelwanderungen im Gänsemarsch und  Feuerzauber im Ahrtal. Am Samstag, 14. November, verwandelt sich Ahrweiler in ein flammendes Spektakel. Dieser Tag der Lichter gilt gleichzeitig als Auftakt des weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten und beliebten Ahrtaler Winterprogramm “In Winter veritas”. 

Das feurige Spektakel zum Martinsfest rund um die Rotweinmetropole Ahrweiler bildet alljährlich eine ganz besondere Kulisse in den Weinbergen. Die Ahrweiler Junggesellen pflegen dieses (laut rheinischem Denkmalpflegeamt) “historisch wertvolle” Brauchtum und entzünden an vier markanten Plätzen riesige Schaubilder und Sprüche aus Fackeln.

Die vier Hutengemeinschaften Oberhut, Niederhut, Adenbachhut und Ahrhut wetteifern um das schönste Martinsfeuer und das spektakulärste Schaubild. In wochenlanger Vorarbeit bauen sie die meterhohen Holz-Konstruktionen zusammen. Die Motive und Botschaften entstammen dem historischen oder aktuellen Ahrtaler Stadtleben. Tausendende von einzelnen Fackeln stecken die Junggesellen zu Figuren und Botschaften zusammen, um ihre Schaubilder am Abend des Martinstages mit Einbruch der Dunkelheit von den Weinbergshängen rund um die Stadt brennen zu lassen. Begleitet wird das flammende Schauspiel von einem bunten Festtreiben im historischen Ahrweiler Stadtkern mit großem Martins-Laternenzug der Schulen, Glühwein-Ständen sowie traditionellem Weckmann-Essen.

Demnächst wird das Ahrtal wieder zum flammenden Spektakel.                          © Ahrtal Tourismus

Der Martinsmarkt der regionalen Genüsse vom 6. bis 8. November in Dernau bildet den Auftakt des Winterprogramms im Ahrtal. Unter dem Motto “In Winter veritas” finden von November 2015 bis Februar 2016 zahlreiche Veranstaltungen statt, die die genüsslich-besinnliche Seite dieser Jahreszeit zeigen. Im gemütlichen Umfeld der Pfarrkirche St. Johannes Apostel und der urigen Dernauer Winzerhöfe servieren die Aussteller würzigen Glühwein, kräftige Obst- und Weinbrände und regionale Gerichte. Viele Besucher aus der weiteren Umgebung wissen die einmalige Atmosphäre rund um die Kirche zu schätzen. Der Markt beginnt am Freitagabend um 19 Uhr mit einer Fackelwanderung durch die Weinberge. Am Samstagabend brennen außerdem rund um Dernau fünf Martinsfeuer in den Weinbergen.

Der Weinort Altenahr lädt vom 13. bis 15. November zur Maateljass ein, mit Kräuterwanderung, Orts- und Weinbergführung. Ebenfalls durch die Weinberge geht es im Gänsemarsch bei Fackelwanderung mit Glühweinrast und deftigem Gänse-Essen im Gewölbekeller der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr am 13. und 14. November sowie am 28. November rund um das Kloster Marienthal und in der Weinmanufaktur Dagernova. Das komplette “In Winter veritas”-Programm mit allen Veranstaltungen und Arrangements gibt es unter

Einmal im Jahr verwandelt sich die Rotweinmetropole Ahrweiler in ein funkelndes Lichtermeer. Der historische Stadtkern bildet das Zentrum des strahlenden Festivals, bei dem Tradition und Brauchtum groß geschrieben werden. An vier markanten Stellen in den Weinbergen oberhalb der Altstadt von Ahrweiler gehen riesige Schaubilder in Flammen auf.

www.ahrtal.de

 

Nordfrankreichs geheime Kulturschätze – Valenciennes Tempel der Kunst ist wieder offen

Wer im Herbst die Lust auf eine Kunstreise der besonderen Art verspürt, sollte sich unbedingt auf den Weg nach Valenciennes machen. Die Stadt lockt mit einer beeindruckenden Vielfalt an Kunstwerken – Highlights inklusive. Und jetzt: Ab in den Norden.

Das Musée des Beaux-Arts in Valenciennes eröffnet am 24. September 2015 wieder die Pforten. Nach ein jähriger Renovierung, erstrahlt es in neuem Glanz und Konzept. Auf 4.400 m² und mit rund 400 Meisterwerken bietet die Sammlung eine einzigartige Auswahl an großen Namen der Malerei wie Watteau, Sohn der Stadt und Meister der Pinselführung, aber auch Rubens, Brueghel, Jordaens, Van Dyck, Pater und anderen. Friedrich der Große kaufte seinerzeit 19 von Watteaus Gemälden. Diese sind heute im Schloss Charlottenburg in Berlin und im Neuen Palais in Potsdam ausgestellt.

Das wiedereröffnete Musée des Beaux-Arts zeigt sich im alten Glanz.
                                                                                                                                       © Ville de Valenciennes

Die geschickte Anordnung der Gemälde im Musée des Beaux-Arts in Valenciennes erlaubt es auch Laien, den prägenden Einfluss der flämischen Künstler auf die französische Malerei des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts nachzuvollziehen. Das Museum beherbergt Skulpturen des ebenfalls in Valenciennes geborenen Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux. Sein Hauptwerk, „La Danse“, schmückt die Fassade des Erdgeschosses der Pariser Oper. Absolutes Highlight der Neueröffnung ist ohne Zweifel die Sonderausstellung „Italienische Träumereien, Watteau und die französischen Landschaftsmaler des 18.Jahrhunderts“. Italien übte bis zu zum Lebensende eine ungebrochene Faszination auf den Rokoko Künstler, obwohl er dieses Land nie bereiste.

Kunst hat hier Tradition “Les 3 Graces”                                                                                                                                                                                                                         © D. Boukla | Valenciennes Tourisme

Bis 16. Januar 2016 erfreuen sich Kunstliebhaber neben Schäferstücken und Landpartien auch am kürzlich wieder entdeckten Meisterwerk Watteaus, „Der Wasserfall“, das zum allerersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wird. Dank dafür gebührt dem großen Watteau-Kenner, Martin Eidelberg, der die Idee zu dieser großartigen Ausstellung hatte. Der Architektin, Loretta Gaïs, gelang mit der Neugestaltung der Ausstellungsräume eindeutig der meisterhafte Balanceakt, die Eleganz der ursprünglichen Architektur mit einer puren, modernen Gestaltung zu verbinden und so die Meisterwerke perfekt zur Geltung zu bringen.

www.valenciennes.fr

 

Wiens unbekannte Orte erzählen Geschichten

Wiens Geschichte hat beeindruckende Spuren hinterlassen. Berühmte Monumente und weniger bedeutsame, die in Vergessenheit gerieten. Doch viele von ihnen existieren immer noch. Versteckt an den schönsten Ecken scheint die Zeit in ihnen stillzustehen. Das ideale Ziel für Entdecker, Abenteurer und Romantiker, die einen Abstecher in die Vergangenheit wagen.

Der Cobenzl bietet einen schönen Blick auf Wien und beheimatet das sagenhafte Agnesbründl.                                                                                                                                                                        © (2) Wien Tourismus

Hoch über der Stadt liegt das sagenhafte Agnesbründl. Es heißt, der Brunnen sei nach der Tochter einer Waldfee benannt und Menschen könnten nach dem Trinken aus der Quelle die Lottozahlen vorhersagen. Ein  Besuch lässt sich mit einer Wanderung auf Wiens höchste Erhebung, den Hermannskogel, verbinden. Weniger sagenhaft, dafür wildromantisch und abenteuerlich geht es im 14. Bezirk zu: Im Dehnepark versteckt sich die Ruinenvilla. Der ehemalige Landsitz der Fürstin Antonie von Paar ist seit 1973 öffentlich zugänglich. In der Umgebung der Villa entdeckt man mit Glück seltene Rotwangen-Schmuckschildkröten. Ein Waldspielplatz, Picknickwiesen, ein Trinkbrunnen und ein Waldpavillon dienen Besuchern als Erholungsort. Auch der Währinger Park im 18. Bezirk hält eine Überraschung bereit: Dieser war bis 1923 ein Friedhof und letzte Ruhestätte für Persönlichkeiten wie Friedrich von Gentz oder Clemens Wenzel Metternich. Man bezeichnete ihn deshalb auch als „Nobelfriedhof“. Ein Hain mit 58 kulturgeschichtlichen Grabsteinen erzählt Geschichten aus der Vergangenheit. Der Park verfügt zudem über eine Skateanlage und grenzt an ein Kinderfreibad. Ein weiterer Friedhof mit eindrucksvoller Geschichten ist der Jüdische Friedhof im 9. Bezirk. Hier wurden jüngst bis zu 500 Jahre alte Grabsteine entdeckt. Die Steine konnten ihrem ursprünglichen Bestimmungsort zugeordnet werden und machen die historische Grabstätte damit zum weltweit einzigen jüdischen Friedhof im Originalzustand vor dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem Friedhof, der heute von der Israelitischen Kultusgemeinde verwaltet wird, können derzeit rund 350 erhaltene Grabdenkmäler besichtigt werden

Biedermeier-Idyll im Amerlingbeisl am Spittelberg.

Doch auch im Herzen Wiens kann man seinen Entdeckerdrang ausleben und gleichzeitig entspannen. Hinter vielen Fassaden der Bürgerhäuser und Palais verbergen sich Innenhöfe und Gasthäuser mit historischem Charme. An der Singerstraße 7 befindet sich zu Beispiel das Deutschordenshaus mit zwei Innenhöfen und Fassaden im Stil des 17. Jahrhunderts. In der Bräunerstraße 3 steht das Geburtshaus des Wiener Schauspielers, Dramatikers und Satirikers Johann Nepomuk Nestroy. Den eleganten Pawlatschenhof zieren schmiedeeiserne Gitter, Wandbrunnen und Hängepflanzen. Besonders kunstvolle Schmiedeeisen-Arbeiten kann man im Arkadenhof eines Renaissance-Wohnhauses in der Bäckerstraße 7 bewundern. Sie stammen aus dem 16. Jahrhundert und gehörten zur Sammlung des Biedermeiermalers Friedrich Amerling. Im Schlossquadrat wiederum versteckt sich der Gastgarten des Silberwirt. Der Gebäudekomplex stammt aus der Biedermeier-Zeit und umfasst ein Labyrinth aus kleinen Innenhöfen. Auch das Amerlingbeisl am Spittelberg bietet ein sehenswertes Biedermeier-Idyll: Im Innenhof sitzt man umgeben von alten Laubengängen, sogenannten Pawlatschen, und unter einem dichten Dach aus Efeu. Eine Augenweide ist auch der Garten von Schreiners Gastwirtschaft mit seinem historischen Salettl und einer naturbelassenen Blumenwiese, wo im Frühjahr die Margeriten blühen.

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Auf das Leben – Kulturwoche zum jüdisches Leben in den fränkischen Städten

Das jüdische Leben in ihrer Region stellen 14 fränkische Städte erstmals in den Vordergrund ihrer Reiseangebote. Einen Anlass, sich verstärkt mit Geschichte und Traditionen des Judentums in Franken zu beschäftigen, bietet der 800. Geburtstag des Rabbi Meir ben Baruch, der in Rothenburg o.d.T. lebte. Diesem Ereignis widmet sich vom 18. bis 25. Oktober 2015 die 5. Jüdische Kulturwoche „Le Chaijm“. Dies bedeutet übersetzt „Auf das Leben!“ und soll die Lebenslust und Fröhlichkeit der jüdischen Religion symbolisieren.

Museen in Bamberg und Würzburg beleuchten mit neuen Ausstellungen unterschiedliche Aspekte der Religionsgemeinschaft. Tiefe Einblicke gibt in Fürth das „Jüdische Museum Franken“, zu dem ein Ritualbad im Keller und eine historische Laubhütte im Dachgeschoss gehören. Bayreuth saniert seine Barock-Synagoge und baut ein jüdisches Kultur- und Glaubenszentrum mit Museumsräumen, koscherem Café und einer Talmud-Thoraschule.

Das Jüdische Museum in Fürth.
                                                                                           © (3) Franken Tourismus

Die fränkischen Städte waren lange ein Zentrum jüdischer Kultur. Fast 1.000 Jahre Geschichte haben große Gelehrte hervorgebracht und etliche Synagogen entstehen lassen. Davon zeugen historische Gebäude, Erinnerungstafeln und Mahnmale – auch in Ansbach, Aschaffenburg, Bayreuth, Coburg und Nürnberg. Im Raum Dinkelsbühl gibt es sogar einen speziellen fränkisch-jüdischen Dialekt „Lachoudisch“, der heute noch gesprochen wird. 

Rothenburg ob der Tauber, aufgrund seiner Lage oberhalb des Taubertals auch als „Fränkisches Jerusalem“ bezeichnet, erlebte in der Mitte des 13. Jahrhunderts eine Hochblüte jüdischer Kultur durch das Wirken des weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Talmud-Gelehrten Rabbi Meir ben Baruch. Nach seinen Studien in Würzburg, Mainz und Paris lebte Meir mehr als 40 Jahre in Rothenburg o.d.T., wo er eine jüdische Hochschule gründete, die Schüler aus ganz Europa anzog. Der Rabbi wurde zu einer der wichtigsten Autoritäten in jüdischen Rechtsfragen. Seinem 800. Geburtstag in diesem Jahr widmet sich die 5. Jüdische Kulturwoche „Le Chaijm“ vom 18. bis 25. Oktober. Der Titel „Le Chajim“ bedeutet übersetzt „Auf das Leben!“ und steht für die Lebenslust und Fröhlichkeit der jüdischen Religion. Es werden Filme, Diskussionen, Vorträge, musikalische Beiträge und Führungen angeboten, die sich um das Thema Judentum drehen und sich mit seiner Geschichte auseinandersetzen. An Meir ben Baruch erinnert auch das Rabbi-Meir-Gärtchen, in dessen Mauern jüdische Grabsteine aus der Zeit des Gelehrten eingelassen sind.

Rothenburg wurde auch als “Fränkisches Jerusalem” bezeichnet.

Das Leben der Bamberger Juden seit dem Mittelalter beleuchtet die neue Dauerausstellung „Jüdisches in Bamberg“ im Historischen Museum. Mit einem modernen Ansatz zeigt die Schau Spuren auf, die die in der Stadt lebenden Juden hinterlassen haben. Für die Ausstellung wurden historische Quellen und Objekte sowie private Erinnerungsstücke zusammengetragen. Über den historischen Ausstellungsteil hinausgehend ist die jüngste Geschichte jüdischen Lebens in Bamberg seit der Nachkriegszeit dargestellt. „900 Jahre Juden in Unterfranken“ veranschaulichen die Ausstellungen des Würzburger Johanna-Stahl-Zentrums – mal in der Gesamtschau, mal in Einzelthemen. Im Jahr 2015 zeigt eine Kabinettausstellung am Beispiel der Familie Seligsberger 150 Jahre jüdische Geschichte – von der Gründung eines bedeutenden Möbel- und Antiquitätengeschäfts bis hin zur Vertreibung und Ermordung eines Teils der Familie.

Verschiedenen Aspekten jüdischer Kultur widmen sich auch Museen und Ausstellungen in Aschaffenburg, Bayreuth, Dinkelsbühl, Nürnberg und Rothenburg o.d.T. Besonders tiefe Einblicke gibt das „Jüdische Museum Franken“ in Fürth. Errichtet in einem Wohnhaus des 17. Jahrhunderts erklärt es den jüdischen Alltag. Mit einem Kombiticket kann der Besuch des Museums mit der Stadtführung „Fürth – Zentrum jüdischen Lebens“ verbunden werden. Weitere Führungen haben bekannte jüdische Fürther wie Henry Kissinger oder Leopold Ullstein zum Thema.

Nächtliche Impressionen aus Bamberg.

Bayreuth saniert derzeit seine seit 1760 bestehende Barock-Synagoge, die älteste religiös genutzte ihrer Art in Deutschland. Bereits seit dem Jahr 2013 fertiggestellt und eingeweiht ist die neue Mikwe, das rituelle Tauchbad. Sie wird von einem artesischen Brunnen (Bohrung ins Grundwasser) gespeist und ist laut dem Londoner Spezialisten Rabbi Meir Posen die „reinste Mikwe Europas“. Gegenüber der Synagoge entsteht ein jüdisches Kultur- und Glaubenszentrum mit Museumsräumen, Archiv und Bibliothek, koscherem Café, Räumen für die jüdische Gemeinde und einer Talmud-Thoraschule, wie es sie in Bayreuth schon im 14. Jahrhundert gab. Dort wird auch die, bei ersten Renovierungsarbeiten im Jahr 2010, im Dachstuhl der Synagoge entdeckte Genisa, ein Hohlraum zur Aufbewahrung nicht mehr genutzter liturgischer Schriften, zu betrachten sein. Zum jüdischen Friedhof der Stadt gehört darüber hinaus ein bemerkenswertes Jugendstil-Taharahaus, in dem die Leichenwaschungen durchgeführt wurden.

In Schopfloch bei Dinkelsbühl lässt sich ein bis heute lebendiges Überbleibsel jüdischen Alltags hören. Viele der dort ansässigen Juden waren Viehhändler und nutzten das aus dem Jiddischen entstandene „Lachoudisch“, eine Art geheimer Geschäftssprache – eine Mischung aus fränkischem Dialekt und Jiddisch. Diese Sprache übernahmen auch christliche Dorfbewohner, um fremde Zuhörer auszuschließen. Noch heute wird sie von manchen genutzt.

Information: www.die-fraenkischen-staedte.de